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Auf Basidis Dach

Plant ihr gerade eine Reise nach Marokko? Dann ist Mona Amezianes autobiografisches Reisebuch sicherlich eine gute Vorbereitung: Die Autorin ist Tochter einer deutschen Mutter und eines marokkanischen Vaters, sie ist im Ruhrgebiet aufgewachsen und beschäftigt sich in dem Buch nun mit Marokko und der Frage nach ihrer eigenen Zugehörigkeit. Die Rahmenhandlung bildet eine Reise nach Marokko, die sie gemeinsam mit ihrem Vater unternommen hat.

Erzählerisch steigt Ameziane stark ein, indem sie Andeutungen macht und Spannung aufbaut: Wird sie nun den Geburtsort ihrer Großmutter finden, Snober in Ausläufern des Rif-Gebirge, der auf keiner Karte existiert? Warum erinnert sie sich an so viel Blut auf Basidis Dachterasse? Bis sich diese Dinge klären, geht es erst mal um die Altstadt von Fes, die richtige Zubereitung und das richtige Einschenken von Pfefferminztee, ihr Schuljahr bei einer reichen Familie in Agadir, usw. Sie beschreibt, wie stark sie deutsch geprägt ist und in Marokko immer mal wieder in Fettnäpfchen tritt oder an ihre Grenzen stößt. Gleichzeitig erinnert sie sich an Begegnungen mit Nazis in Deutschland und fragt ihren Vater nach seinen Rassismuserfahrungen. Ameziane schafft es nicht ganz, die erzählerische Stärke bis zum Ende durchzuhalten, aber die nette Erzählstimme lässt mich drüber hinwegsehen – sie macht es im Epilog transparent, dass sie sehr gekämpft hat, einen guten Abschluss zu finden.

Tatsächlich fiel mir schon auf den ersten Seiten auf, dass die Erzählstimme wahnsinnig nett ist. Auch schwierigen Situationen versucht sie Positives abzugewinnen und Kritik wird sehr freundlich verpackt. So lässt sich sagen, dass es eins der sanftesten Bücher über Heimat, Zugehörigkeit und rassistische Erfahrungen ist, dass ich seit langem gelesen habe. Der freundliche Ton macht es sicherlich vielen Leser*innen zugänglich, auch solchen, die sich sonst nicht mit identitätspolitischen Themen beschäftigen.

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