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Überleben

Überleben von Tsitsi Dangarembga (ins Deutsche übersetzt von Anette Grube) ist ohne Zweifel ein wichtiges Buch, aber es ist wirklich nicht einfach zu lesen. Die zu Recht renommierte simbabwische Schriftstellerin, Filmemacherin und Dramatikerin Tsitsi Dangarembga präsentiert ein erschütterndes Porträt ihres Landes, nachdem es die Unabhängigkeit endlich erreicht hat. Die Utopie der Gerechtigkeit, die die Befreiung von der kolonialen Unterdrückung zu verheißen schien, hat sich nicht verwirklicht.

Der Roman folgt Tambudzai und ihren Bemühungen, sich den Wohlstand und den persönlichen Erfolg zu erkämpfen, von dem sie glaubt, dass er ihr zustünde, der ihr aber immer wieder verwehrt wird. Sie scheitert, weil sie Pech hat, weil strukturelle Ungerechtigkeiten existieren, die weiße Menschen und Männer privilegieren, und, so scheint es, oft auch an sich selbst. Nachdem sie einen relativ lukrativen Job in einer Werbeagentur gekündigt hat, weil sie es leid ist, dass ihre weißen männlichen Kollegen die Lorbeeren für ihre Arbeit einheimsen, schwinden ihre Ersparnisse und ihre Möglichkeiten rapide. Es gelingt ihr, Arbeit als Biologielehrerin zu finden, aber ein Unwohlsein, das sich offenbar schon seit einiger Zeit in ihr zusammenbraut, gipfelt in einem psychischen Zusammenbruch, und sie landet in einer Anstalt. Tambudzai scheint zunächst den Tiefpunkt ihrer Reise erreicht zu haben – jedenfalls vorerst. Nach ihrer Einweisung in die Anstalt nimmt ihr Leben für einige Zeit eine hoffnungsvollere Wendung. Ein gewisser Optimismus macht sich breit, dass sich zumindest einige ihrer Träume erfüllen könnten.

Die Geschichte ist in der zweiten Person geschrieben – für mich immer eine zunächst befremdliche Leseerfahrung. In Überleben ist es besonders schwierig, weil das „Du“, in das Leser:innen hineinversetzt werden, also Tambudzai, nicht sympathisch ist. Im Gegenteil, sie ist oft unsympathisch: Sie neigt zu Eifersucht, ist boshaft und gehässig. Die meisten ihrer Handlungen sind von einem verletzten Groll geprägt, der aus der Tatsache resultiert, dass sie es nicht schafft, den Menschen in ihrer Umgebung glaubhaft zu zeigen, wie überlegen sie ist. Aber Dangarembga ist ausgezeichnet in dem, was sie tut, und nach einiger Zeit kam es mir so vor, als sei der Roman eine Lektion über die Bedeutung von Selbstverachtung. Das war oft unangenehm, aber auch sehr effektiv.

Dangarembgas Schreibstil ist stark und in vielerlei Hinsicht scheint dieser Roman ein Buch zu sein, das ein ehrlicher Mensch über die Situation in Simbabwe nach der Unabhängigkeit schreiben musste: Es spricht davon, wie große Hoffnungen absolut enttäuscht wurden. Teilweise werden Einzelne angeklagt, die um jeden Preis vorankommen wollen. Andererseits zeigt Überleben, welche Systeme derartig verdorben sind, dass Menschen kaum mehr Möglichkeiten haben. Ich kann nicht sagen, dass ich dieses Buch gerne gelesen hätte, aber es hat großen Respekt in mir ausgelöst.

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