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Book cover of Chibundu Onuzo's Welcome to Lagos

Welcome to Lagos

Chibundu Onuzo hat bereits mit 21 Jahren ihren ersten Roman veröffentlicht. Welcome to Lagos ist ihr zweiter. Obwohl dieses Buch teilweise von tragischen Lebensrealitäten und Korruption erzählt, ist das erste Adjektiv, das mir zu seiner Beschreibung einfällt, komisch. Los geht es schon mit dem Titel, denn – so steht es im Buch – Lagos hat kein Willkommensschild. Die Hauptstadt Nigerias bietet der kleinen, wild zusammengewürfelten Reisegruppe, um deren Geschichte(n) es geht, keinen herzlichen Empfang. Chike Ameobi war als Offizier in der Delta Region stationiert und desertiert gemeinsam mit Yemi, einem seiner wenig gebildeten Soldaten, als sie unbewaffnete Bewohner:innen der Region ermorden sollen. Auf ihrer Flucht in Richtung Lagos gabeln sie erst Fineboy auf, einen Jugendlichen, der sich den Rebellen angeschlossen hat, aber lieber DJ werden möchte. Dann stößt die 16-jährige Isoken dazu, deren Eltern verschwunden sind und die einer versuchten Vergewaltigung durch Fineboys Freunde gerade so entkommen ist. Zuletzt ist da noch Oma, die vor ihrem reichen, gewalttätigen Ehemann wegläuft. Diese bunte Truppe bildet eine Schicksalsgemeinschaft – keine:r von ihnen hat Geld oder Kontakte, da bietet ihr Zusammenhalt ihnen Schutz.

Die Eigenheiten der einzelnen Charaktere und ihre Neckereien tragen zum Humor der Geschichte bei, obwohl sie von Beginn an mit Schwierigkeiten konfrontiert sind und ums nackte Überleben kämpfen. Erst leben sie unter einer Brücke, dann finden sie eine leerstehende Wohnung, die sie besetzen. Nun könnte es fast idyllisch sein – Oma kocht für alle, Chike liest abends aus der Bibel vor. Doch eines Nachts stolpert der Wohnungsbesitzer, Chief Sandayo, durch die Tür. Der Bildungsminister hat 10 Millionen Dollar veruntreutes Bargeld in der Tasche und flieht vor der Polizei. An dieser Stelle nimmt die Geschichte eine Wendung und zeigt die unfreiwilligen Hausbesetzer:innen als selbstlose Gutmenschen, die ein korruptes System umgehen wollen: Sie halten Sandayo gefangen, behandeln ihn aber gut, und investieren sein Geld direkt in die Ausstattung von ein paar ausgewählten Schulen. Sie erklären, dass das Geld so dorthin fließt, wo es hingehört. Der Roman stellt der Gier nach Besitz von Einzelnen wie Sandayo die Wohltätigkeit der fünf Protagonist:innen gegenüber. Doch letztendlich werden alle Teil einer politischen und medialen Schlammschlacht. Wie diese ausgeht, liest am besten jede:r selbst. Mir jedenfalls hat es ganz gut getan, mal eine Geschichte zu lesen, die von einem optimistischen Menschenbild geprägt ist.

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