The Grassling

Elizabeth-Jane Burnett ist eine britisch-kenianische Schriftstellerin und Wissenschaftlerin. Burnett wurde in Devon in Großbritannien geboren und ihr autobiographisches Buch The Grassling ist eine detailverliebte, hoch poetische Beobachtung der Natur rund um ihren Geburtsort. Ihr Bedürfnis vor allem das Dorf Ide und die umliegenden Hügel, Wälder und Wiesen zu erkunden, gründet sich in der unheilbaren Krankheit ihres 80-jährigen Vaters. Ihr Vater verfasste ebenfalls ein Buch über diese Region im Südwesten von England, es trägt den Titel A History of the People and the Parish of Ide und ist eine historische Abhandlung über den Ort, an dem die Familie Burnett seit unzähligen Generationen Höfe besaß und das Land bewirtschaftete. Elizabeth-Jane Burnett wandelt auf den Spuren ihres Vaters als Ausdruck ihrer innigen Verbundenheit mit ihm und schreibt sich so in das Land ein.

Obwohl Burnett als Tochter ihres Vaters ebenso zu diesem Stück Land gehören sollte, ist ihre Zugehörigkeit für andere in der Gegend weniger eindeutig. Sie schreibt:

“While others see him as belonging, even without knowing his story, they do not see that in me. So while I am pulled towards that place by all that is deeply knotted in me, I am pulled back by those there now, who cannot see into me”. 

The Grassling

„Während andere seine Zugehörigkeit sehen, auch ohne seine Geschichte zu kennen, sehen sie sie nicht in mir. Während ich also zu diesem Ort hingezogen werde, der tief in mir verankert ist, werde ich weggezogen von denen, die nicht in mich hineingucken können“.

(eigene Übersetzung)

Der widerholt auftretenden Ablehnung zuwider, bestaunt und feiert Burnett in melodischer Prosa diesen ländlichen Ort und ihre Verbundenheit mit ihm. Ihre Außenseiterinnenposition wird bestätigt durch ihre Vergleiche ebendieser Umgebung zu Afrohaaren und Kikuyu oder Suaheli Ausdrücken, die ihr aber gleichzeitig erlauben, sich und ihre Perspektive aktiv in dieser Landschaft zu verwurzeln.

Burnetts Interesse an der Natur rund um Ide geht aber viel tiefer als die Frage nach Identität und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Sie möchte die Geschichten der Erde hören und interessiert sich dabei auch für die Perspektive von Gras und Würmern: Was würden das Gras über den Boden sagen? Oder Regenwürmer über ihr Erdreich? Sie versucht die Natur direkt zu berühren, zu fühlen und zu schmecken und Sätze wie „Ich wollte schon immer in einer Hecke sitzen“, sind nicht ungewöhnlich. Aber in ihren Beobachtungen und ihren Gesprächen mit ihrem Vater wird auch ihre Sorge deutlich, ihre Rolle als Ökopoetin nicht recht erklären oder rechtfertigen zu können. Das Buch – genau wie Burnetts Poesie – ist der Wunsch eine Verbundenheit zur Natur auszudrücken. Die Antwort auf die Frage, ob ihre Arbeit gegen den Klimawandel hilft, überlässt Burnett ihren Leser*innen selbst.

Für meinen Geschmack schafft Burnett es jedenfalls, so elegant und berührend über die Natur und das, was Menschen von ihr lernen können, zu schreiben, dass sich große Themen plötzlich greifbarer anfühlen. Mit ihrer innigen Auseinandersetzung mit der Natur verdeutlicht sie die Absurdität von Menschen gemachten Grenzen und die Verstrickung von Lokalem und Globalem in der Landwirtschaft. Sie vermittelt, dass die Natur eine Haltung dem Leben und der Welt gegenüber lehrt, wenn wir nur hinschauen. Burnett streckt ihre Arme in die Luft, macht sich lang wie ein Baum und gibt verwundert und voller Überzeugung bekannt, dass aufrecht zu stehen wohl in den meisten Fällen die beste Haltung ist.

(noch keine deutsche Übersetzung)