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Das Mädchen mit der lauternen Stimme

Abi Darés Roman Das Mädchen mit der lauternen Stimme (ins Deutsche übersetzt von Simone Jakob) beginnt mit dramatischen Szenen: Die Mutter der 14-jährigen Protagonistin Adunni stirbt und ihr Vater beschließt sie zu verheiraten, um mit dem Brautpreis seinen Geldsorgen zu entkommen. Diese Ausgangssituation ließ mich schon mit dem Schlimmsten rechnen, aber zum Glück entpuppte sich das Buch als eins, das neben Zwangsverheiratung von nigerianischen Minderjährigen in ländlicher Region, Armut, Bildungsmangel und männlicher Dominanz ebenfalls wunderbare, unterstützende Beziehungen entwarf und eine Protagonistin, die auf unverwechselbare Weise für ihre eigene Stimme kämpft.

Adunni wird zunächst tatsächlich mit einem älteren Mann verheiratet, dessen ersten beiden Frauen ihm keinen Sohn – den dringend herbei gesehnten Erben – schenken konnten. Es wird in dem Roman als völlig normal dargestellt, dass in der ländlichen Region Nigerias Frauen kein Mitbestimmungsrecht haben, in ihrer Ehe vergewaltigt werden und Söhne mehr wert sind als Töchter. Adunnis Erzählstimme entlarvt die Ungerechtigkeiten und sie schafft es, nach Lagos zu fliehen und eine Anstellung als Hausmädchen zu finden. Sie wird weiterhin ausgebeutet und misshandelt, aber in dem Koch Kofi und der reichen, gebildeten Tia, die in der Nachhaltigkeitsbranche tätig ist und in den Kreisen von Adunnis Chefin verkehrt, findet sie zwei Verbündete. Dass sie überlebt und sich widersetzt, gründet sich in Adunnis festem Glauben an Bildung als Ausweg aus der Unterdrückung, Bildung als Mittel, um sich zu wehren.

In dem Roman treffen kontrastreiche Welten aufeinander, die verschiedenste Seiten der nigerianischen Gesellschaft beleuchten. Abi Daré ist ein mitreißender Debutroman gelungen, der den Mut eines jungen Mädchens feiert und Leser:innen scheinbar ermutigen möchte, im Angesicht von Ungerechtigkeiten ebenfalls immer wieder den Mund auf zu machen.

Um zu verdeutlichen, dass Adunni kaum Zugang zu Bildung hatte, hat Daré ihr ein Englisch in den Mund gelegt, das stark vom Standard-Englisch und vom Nigerianischen Pidgin abweicht. Diese besondere Herausforderung hat Simone Jakob in der deutschen Übersetzung im Nachwort reflektiert und auf beeindruckende Weise mit deutschen Neologismen gelöst, die der wissenshungrigen Protagonisten gerecht werden.

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