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Harte Jahre

Da poco.lit. eine englisch- und deutschsprachige Plattform ist, besprechen wir selten Bücher aus anderen Sprachräumen. D.h. es ist eine Besonderheit, dass der peruanische Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa hier Erwähnung findet. Sein neuster Roman Harte Jahre, ins Deutsche übersetzt von Thomas Brovot, wirft Licht auf koloniale Machtverhältnisse, die nicht auf offiziellen Kolonialstrukturen basieren. Der Roman zeigt wie eine mächtige Nation eine weniger mächtige mithilfe von Geld und Propaganda destabilisieren kann; wie eine mächtige Nation ihre eigenen Interessen anderswo durchsetzt, ohne Rücksicht auf Verluste; wie eine mächtige Nation so eine junge, sich gerade erst entfaltende Demokratie zunichtemacht. Im Roman geht es um die USA und Guatemala.

Mario Vargas Llosa hat offensichtlich viel Recherche in dieses Buch gesteckt. Es tauchen zahlreiche historische Personen auf, die er fiktionalisiert hat, um der Seite Sichtbarkeit zu geben, die sich für die freie Demokratie einsetzt. Der Schauplatz ist das politische Guatemala. Als der zweite demokratisch gewählte Präsident Jacobo Àrbenz 1951 an die Macht kommt, will er durchsetzen, dass ausländische Firmen in Guatemala Steuern zahlen müssen und guatemaltekische Bauern, die für ebendiese ausländischen Firmen arbeiten, Gewerkschaften gründen können. Diese Veränderungen würden für die US-amerikanische Bananenfirma United Fruit Company unerwünschte Kosten verursachen. Der Chef tut sich mit einem Medienunternehmer zusammen und startet einen Propaganda Feldzug gegen Àrbenz, der ihm unterstellt ein Sozialist zu sein und mit Russland unter einer Decke zu stecken. Die Kampagne ist erfolgreich genug, dass sogar der CIA beginnt in Guatemala eine Gefahr zu sehen. Unzufriedene guatemaltekische Militärs, u.a. Carlos Castillo Armas, stellen sich ebenfalls gegen die eigene Regierung. Durch die US-amerikanischen Interventionen erhoffen sie sich eigene Vorteile, mächtigere Positionen. Die tatsächlichen Bedürfnisse der Mehrheit der guatemaltekischen Bevölkerung berücksichtigt außer Àrbenz scheinbar niemand.

Diese Machtspiele unter Männern, die es so gab, aber die sicherlich auch ganz anders dargestellt werden könnten, werden von einem weiteren Erzählstrang begleitet: Es geht um Miss Guatemala. In dem katholisch geprägten Land hat sie wenig Rechte. Nachdem ein Freund ihres Vaters das unaufgeklärte junge Mädchen verführt hat, wird sie mit ihm Zwangsverheiratet. Um ihrem Unglück zu entkommen, hängt sie sich an mächtige Männer, sagt was sie hören wollen, auch wenn es Verrat bedeutet.

Das Buch liest sich insgesamt fast eher wie ein Sachbuch über die Geschichte Guatemalas, für die die US-amerikanischen Interventionen schicksalhaft war, denn als Roman. Die Passagen, in denen Charaktere zum Leben erweckt werden, in denen ihr Innenleben und ihre Gespräche dargestellt werden, sind für mich die schönsten. Davon hätte es mehr geben können. Trotzdem hat die Geschichte selbst mich absolut gefesselt und wütend gemacht. Harte Jahre beschreibt ein Szenario, dass sich auf der Welt schon vielfach in der einen oder anderen Variation wiederholt hat: Mächtige nutzen Machtverhältnisse zu ihrem eigenen Gunsten aus, begehen dabei Verbrechen und werden für ihr Handeln und die fatalen Folgen nicht zur Rechenschaft gezogen.

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