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Buchcover des Debutromans "In Flammen" von Megha Majumdar

In Flammen

Megha Majumdars Debutroman In Flammen ist eine hochpolitische – und teilweise verstörende – Geschichte über den Wunsch nach einem lebenswerten, würdevollen Leben, über Macht und Korruption. Die deutsche Übersetzung von Yvonne Eglinger erschien 2021. In Flammen spielt in der Geburtsstadt der Wahl-New-Yorkerin, in Kolkata, und wird von drei Charakteren erzählt: Jivan ist ein muslimisches Mädchen, das im Slum lebt und davon träumt irgendwann einmal zur Mittelklasse zu gehören. PT Sir ist ihr ehemaliger Sportlehrer, der wie zufällig in eine politische Karriere hineinrutscht und wegen den blühenden finanziellen Vorteilen jeden Skrupel hinter sich lässt. Lovely, die von Jivan etwas Englisch lernt, ist eine ehrliche und charismatische angehende Schauspielerin, die als hijra – als Transfrau – gegen viele gesellschaftlichen Barrieren ankämpft.

In Flammen beginnt mit einem terroristischen Anschlag auf einen Zug in Kolkata, genauer gesagt im Slum von Kolabagan, wo Jivan lebt. Es wird eine Schuldige gesucht und die Wahrheit wird dabei zur Nebensache. Jivan, die es aus bitterer Armut zur Verkäuferin in einem Modegeschäft gebracht hat, sich dadurch ihr erstes Smartphone leisten konnte und mit Fremden auf Facebook schreibt – u.a. mit einem angeblichen muslimischen Terroristen, wovon sie nichts weiß –, muss herhalten. Sie kommt ins Gefängnis. Sie versucht über die Presse die Wahrheit ans Licht zu bringen und vertraut einem Journalisten ihre gesamte Lebensgeschichte an, der daraus die Story seines Lebens macht. Jivans letzte Hoffnung sind positive Aussagen von PT Sir und Lovely bei ihrer Gerichtsverhandlung. Leser:innen erfahren in den Kapiteln, die aus Lovelys und PT Sirs Perspektive geschrieben sind, jedoch mehr über deren Kämpfe und Interessen und können sich somit schon bald besorgt fragen, ob Jivans Hoffnung Früchte tragen wird.

Majumdars drei Figuren, die die Geschichte erzählen, sprechen mit unverwechselbaren Stimmen, die von ihrer Klasse und ihren persönlichen Umständen geprägt sind. Mit Jivan und Lovely lässt sich sehr gut mitfühlen und PT Sirs Ambitionen, aus einem langweiligen Alltag auszubrechen, mehr Anerkennung und Sichtbarkeit zu bekommen, sind sicherlich ein Wunsch, den viele Menschen schon mal gehegt haben (- wenn auch heimlich und ohne derartige Folgen). Majumdar schafft es, ethische Dilemmata in den Fokus zu stellen und klar zu machen, dass harte Arbeit und Ehrlichkeit Armut sicherlich nicht beenden. In Flammen, bedacht konstruiert, zeigt in detailreichen und bissigen Beobachtungen deutlich, dass die Benachteiligung bestimmter Gruppen systemisch ist. Majumdars Debut ist packend von der ersten bis zur letzten Seite.

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