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Die 5 besten Bücher mit Schauplatz in Nigeria

1. Süsswasser von Akwaeke Emezi

Bei dem Hype um die Veröffentlichung des Romans Der Tod des Vivek Oji, der erst kürzlich in der deutschen Übersetzung erschienen ist, könnte es leicht passieren, dass Leser:innen vergessen, Akwaeke Emezis ersten Roman Süsswasser auf ihre Leseliste zu setzen. In Süsswasser, ins Deutsche übersetzt von Anabelle Assaf und Senthuran Varatharajah, setzt sich Emezi bereits mit dem Thema Geschlechteridentitäten auseinander. Es ist ein Themenkomplex, der wohl einen integralen Bestandteil von Emezis Gesamtwerk bildet. In Süsswasser bricht Emezi kunstvoll mit etablierten westlichen Diskursen medizinischer Wissenschaft und psychischer Gesundheit. Außerdem hinterfragt Emezi präskriptive Vorstellungen von Zweigeschlechtlichkeit. So ist Emezis Hauptfigur Ada kein singuläres, kohärentes „Ich“, sondern besteht aus mehreren Brüderschwestern. Süsswasser ist ein reizvolles Buch, da es in der Konzeptualisierung von Subjektivität und Geschlecht überaus innovativ ist. Eine vollständige Rezension gibt es hier.

2. Verfängliche Liebe von Ben Okri

Verfängliche Liebe von Booker-Preisträger Ben Okri folgt der Geschichte von Omovo, dessen Leben von seiner Kunst und seiner Liebe zu der schönen, aber bereits verheirateten Ifeyiwa zusammengehalten wird – der gefährlichen Liebe des Titels. Der Roman spielt in Lagos und im Kontext eines Nigerias, das noch immer mit den Spuren der Gewalt des Biafra-Krieges und den kolonialen Vermächtnissen zu kämpfen hat. Omovos Arbeit als Maler dient als Vehikel und Manifestation seines persönlichen Wachstums, als Akt der Ermächtigung und des Widerstands. Eine Rezension für den Roman haben wir hier veröffentlicht.

3. “What to do when your child brings home a Mami Wata” von Chikodili Emelumadu

Chikodili Emelumadu ist wahrscheinlich nicht der bekannteste Name auf dieser Liste, aber sie ist eine aufstrebende Autorin mit großem Talent. Die in Großbritannien geborene und in Nigeria aufgewachsene Emelumadu war mit ihrer Anleitung “What to do when your child brings home a Mami Wata” („Was tun, wenn Ihr Kind eine Mami Wata mit nach Hause bringt“) Finalistin des Caine Prize im Jahr 2020. Präsentiert als satirisches „How to“, rät ihre Geschichte Eltern, wie sie mit der Situation umgehen sollen, wenn ihr Nachwuchs eine Mami Wata mit nach Hause bringt – eine Art Wassergeist, der oft in Form einer attraktiven, aber letztlich gefährlichen Frau erscheint (obwohl es auch männliche Mami Watas gibt, wie der Text andeutet). Offensichtlich eine augenzwinkernde Auseinandersetzung mit der homophoben Einstellung zu gleichgeschlechtlichen Beziehungen, die in diesem wunderschönen Text mit viel Humor einhergeht. Bei poco.lit. haben wir hier darüber geschrieben.

4. Nnu Ego – Zwanzig Säcke Muschelgeld von Buchi Emecheta

Die in Nigeria geborene, gefeierte Schriftstellerin Buchi Emecheta hat mit ihrem 1979 erstmals erschienenen Roman „The Joys of Motherhood“ einen ihrer berühmtesten Romane geschrieben, der so etwas wie ein Klassiker der afrikanischen Literatur ist. Der Roman erschien 1983 in der deutschen Übersetzung von Helmi Martini-Honus und Jürgen Martini als Nnu Ego – Zwanzig Säcke Muschelgeld. Der Roman erlaubt es seinen Leser:innen, Nnu Ego bei der Geschichte ihres Lebens in Nigeria in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu begleiten. Nnu Egos Weg führt von einer ländlichen Region hin zu einem Leben im geschäftigen Lagos, wobei es um den Schmerz über den Verlust eines Kindes geht, um die Angst vor Unfruchtbarkeit und um die Erfahrungen der Freude, die ihr die Mutterschaft bringt. Die ganze Zeit über ist die Geschichte der Protagonistin eingebettet in Nigerias Auseinandersetzung mit dem Kolonialismus und einem sich schnell verändernden soziokulturellen Kontext. Emecheta übt scharfe Kritik sowohl am britischen Imperialismus als auch an patriarchalen Strukturen. Eine vollständige Rezension gibt es hier.

5. Lagune von Nnedi Okorafor

Ich muss gestehen, dass dies mein Favorit auf dieser Liste ist. Nicht umsonst wird Nnedi Okorafor weithin der Status zuerkannt, an der Spitze der afrikanischen spekulativen Fiktion zu stehen, und ihr 2014 erschienener Roman Lagune wird zu Recht viel gelesen und geschätzt. Die deutsche Übersetzung von Claudia Kern erschien 2016. Die Geschichte spielt in Lagos und stellt sich die Ankunft von Außerirdischen vor der Küste dieser afrikanischen Metropole vor. Das Drama und die Aktion, die sich daraus ergeben, sorgen für einen rauen und turbulenten Ritt durch eine raffiniert ausgeführte Genre-Fiktion und eine intelligente Dekonstruktion etablierter Formen der Science-Fiction, wie sie von weißen Männern produziert werden. Er stellt ausgrenzende Diskurse kolonialer Wissensproduktion in Frage, indem er indigene Epistemologien einbindet, die mit der überlegenen Alien-Technologie koexistieren können. Das Buch tut all diese komplexen Dinge auf eine Art und Weise, die es zu einer absolut unterhaltsamen (wenn auch manchmal grausamen) Lektüre macht. Wir haben hier eine Rezension des Buches veröffentlicht.