„Zwei Bäume machen einen Wald“: Ein Interview mit Jessica J. Lee

Bei dem folgenden Interview handelt es sich um die Transkription unserer Green Library Veranstaltung „Zwei Bäume machen einen Wald“ mit Jessica J. Lee. Am 5. Juni 2020 trafen wir Jessica auf Zoom und sie gab uns Einblicke in ihre Arbeit. Jessica ist eine britisch-kanadisch-taiwanesische Autorin, die derzeit in Berlin lebt, wo sie von 2017-2018 als Writer-in-Residence am Leibniz-Institut für Gewässerökologie tätig war. Sie hat in Umweltgeschichte promoviert. Jessicas erstes Buch Mein Jahr im Wasser: Tagebuch einer Schwimmerin wurde 2017 veröffentlicht. Ihr zweites Buch folgte 2019, die deutsche Übersetzung erscheint im Oktober 2020 und trägt den Titel Zwei Bäume machen einen Wald: Über Erinnerung, Migration und Taiwan. Jessica ist außerdem Gründungsherausgeberin der Literaturzeitschrift The Willowherb Review. Wir sprachen über ihre Bücher und die Zeitschrift.

Jessica, deine beiden Bücher sind Memoiren. Du schreibst über dein eigenes Leben, deine Familie, Liebe und Verlust. In beiden Büchern verbindest du deine persönliche Geschichte mit detaillierten Beobachtungen von Natur und Umwelt. In Mein Jahr im Wasser, das hier in Berlin spielt, setzt du dich mit der Erwärmung von Seen in den letzten Jahren auseinander. In Zwei Bäume machen einen Wald beschreibst du die Häufigkeit von Erdbeben in Taiwan. Warum hast du dich entschieden, deine persönliche Geschichte im Zusammenhang mit komplexen Umweltfragen zu erzählen?

Es ist wahrscheinlich eine dieser Sachen, die ich mir nicht absichtlich vorgenommen habe. Es ist vielmehr das Ergebnis meines Lebensweges und meiner Ausbildung. Ich habe meine Karriere – ursprünglich als Akademikerin – nicht mit dem Gedanken gestartet, Schriftstellerin zu werden. Aber als ich anfing zu schreiben, war es für mich selbstverständlich, mit den Sprachen zu arbeiten, die ich gut beherrschte und dazu gehört die Umwelt. Meine Ausbildung bestand darin, mich insbesondere mit Geschichte und Landschaft auseinanderzusetzen. Das machte Sinn für mich. Ich bin nicht gut darin, nur über mich selbst zu schreiben, wenn ich keine Verbindungen zu anderen Dingen herstellen kann. Für mich kam es ganz natürlich als eine Manifestation der Arbeit, die ich seit langer Zeit verfolgte.

Ich wollte auch von dem eher kalten akademischen Ton wegkommen; ich wollte nicht, dass es klinisch klingt. Ich denke, an dieser Stelle kommt für mich die Verschmelzung von beidem, dem Persönlichen und der Umwelt, zusammen. 

Wurden deine Bücher in verschiedenen Teilen der Welt unterschiedlich aufgenommen? Zum Beispiel im englischsprachigen und im deutschsprachigen Raum? Ich frage, weil nature writing hier in Deutschland weniger Tradition zu haben scheint. Ich war mir nicht einmal sicher, wie ich es übersetzen soll, bis ich die Naturkunden Reihe des Verlags Matthes & Seitz fand, in der im Oktober die deutsche Übersetzung von Zwei Bäume machen einen Wald erscheinen wird.

Ja. Sogar der deutsche nature writing Preis, der von Matthes & Seitz verliehen wird, heißt „Deutscher nature writing Preis“. Wir verwenden den Begriff nature writing auch im Deutschen. Das liegt unter anderem daran, dass die Tradition hier nicht die gleiche ist, wie in anderen Regionen. Was also die Rezeption meiner Arbeit betrifft, so wurde mein erstes Buch Mein Jahr im Wasser, als es in Deutschland herauskam, als Reisebuch vermarktet und als Reisebuch wahrgenommen. Aber Leser*innen und Rezensionen vermitteln den Eindruck, dass es ein Reisebuch war, das die Leute mit dem Schwerpunkt auf persönliche und umweltbezogene Inhalte ein wenig verwirrte. In Großbritannien passt es meiner Meinung nach ziemlich gut in das Genre des nature writing. Wie es Two Trees Make a Forest in Nordamerika ergehen wird, kann ich noch nicht sagen, es ist dort noch nicht erschienen. Aber ich glaube, dort gibt es ebenfalls eine stärkere nature writing Tradition. In Deutschland kann ich fast nie über meine Bücher sprechen, ohne auch das Genre und die Tradition, auf die sie zurückgreifen, erklären zu müssen.

„Heimat ist ebenso sehr in der Sprache wie in der Landschaft“

Dein Leben scheint stark durch die Migrationsgeschichten deiner Eltern und deiner eigenen Umzüge in verschiedene Städte auf verschiedenen Kontinenten geprägt worden zu sein. In Mein Jahr im Wasser schreibst du: „Heimat ist ebenso sehr in der Sprache wie in der Landschaft“. Wie findest du ein Gefühl von zu Hause sein in der Landschaft? Kannst du das erklären?

Das ist eine Frage, der ich sehr oft begegne: die Frage, was ich als meine Heimat betrachte oder woher ich komme. Und es ist für mich immer die komplizierteste Frage, denn ich kann nie sagen, ich komme aus dieser Stadt, aus diesem Land, und das war’s. Ich wurde in London, Ontario, Kanada, als Tochter zweier Immigranteneltern geboren. Von dort bin ich mehrmals umgezogen. Ich habe bereits auf drei Kontinenten gelebt. Das lässt sich nicht kurz zusammenfassen. Für mich geht es bei diesem Gefühl, mich in der Landschaft zu Hause zu fühlen, um Erinnerungen, und es geht um Wiederholungen. In dem Buch spreche ich über diesen Satz 我回來了, der bedeutet: „Ich bin zurückgekehrt“. Ich denke sehr oft an diesen Satz, wenn ich an einem Ort Erinnerungen habe, zu denen ich zurückkehren kann. Als ich zum ersten Mal beschloss, in Berliner Seen schwimmen zu gehen – im Laufe eines Jahres bin ich in 52 Seen geschwommen -, versuchte ich, mich in der Landschaft auszudehnen, um zu sagen: „Ich bin mit dem Fahrrad zu diesem Ort gefahren, ich kenne diesen Ort“; damit kann ich die Landschaft auf einer gewissen Ebene als etwas Bekanntes betrachten. Natürlich ist jeder Ort viel komplizierter und weitläufiger, aber vielleicht kann ich an Orte zurückkehren und ein Gefühl der Vertrautheit entwickeln. Das war für mich die wichtigste Komponente eines Heimatgefühls. Ich gehöre zu den Menschen, die wie besessen immer wieder dieselben Orte aufsuchen, an denen ich schon einmal gewesen bin.

Deine Umzüge an verschiedene Orte scheinen also dein Verständnis von Heimat zu erweitern. Gleichzeitig scheint es mit einem Gefühl von Verlust verbunden zu sein. Das wird besonders deutlich, wenn du über Sprache sprichst. Du hast als Kind Mandarin gelernt, aber in Mein Jahr im Wasser schreibst du, dass „mit der Zeit die Worte verschwanden“ und du zu Hause nur noch Englisch gesprochen hast. Kannst du mehr zu der Verbindung von Sprache und Heimat sagen?

Als ich Mein Jahr im Wasser schrieb, war ich an einem Punkt in meinem Leben, an dem mir klar wurde, dass mein Deutsch mittlerweile besser war, als mein Mandarin jemals gewesen ist – das war auch mit ein Grund dafür, dass ich direkt danach Zwei Bäume machen einen Wald schrieb. Ich weiß nicht einmal, wie ich erklären soll, wie wütend mich das gemacht hat. Nicht, dass ich kein Deutsch sprechen wollte, aber es hat mich in gewisser Weise erschüttert. Mir wurde klar, dass mir das, was der Schlüssel zur Kommunikation mit meinen Großeltern mütterlicherseits war, oder mir erlauben würde, mit meiner Mutter in ihrer eigenen Sprache zu sprechen, unmöglich war. An diesem Punkt begann ich viel mehr über Sprache nachzudenken. Mir wurde klar, wie tröstlich es sich anfühlte, Mandarin sprechen zu hören, denn es war die Sprache, die meine Mutter mit uns sprach, als wir Babys waren. Auch jetzt sehe ich viel fern oder höre Musik auf Chinesisch. Selbst wenn ich es nicht verstehe, wirkt es beruhigend auf mich. Ich glaube, es sind die vertrauten Laute, die vertrauten Töne, die vertrauten Worte hier und da.

Aber ich fühle mich auch manchmal sehr wohl im Deutschen und manchmal sehr wohl in anderen Sprachen. Als ich in Taiwan an meinem zweiten Buch arbeitete, gab es nach ein oder zwei Monaten nach meiner Ankunft einen Punkt, an dem ich nur Mandarin und Englisch gesprochen hatte, und als ich zufällig einen Deutschen traf, mit dem ich mich auf Deutsch unterhalten konnte, dachte ich: „Oh, das fühlt sich so anders und gleichzeitig so gut an!“ Es ist schon komisch, wie Sprachen ein Teil von einem werden.

Zwei Bäume machen einen Wald ist vom Stil her ähnlich wie Mein Jahr im Wasser und thematisiert ebenfalls Fragen nach Heimat und Zugehörigkeit mit Hilfe von Örtlichkeit und Sprache. Aber es spielt in Taiwan. Was hat dich inspiriert dein zweites Buch zu schreiben?

Ich habe bereits die Sprachkomponente erwähnt, die einen großen Teil davon ausmacht. Außerdem starb im Jahr 2016 meine Großmutter mütterlicherseits. Das war schon sehr lange abzusehen. Wir hatten alle eine wirklich problematische Beziehung zu ihr. Ich denke, schwierig wäre ein großzügiges und vages Wort, um unsere Beziehung zu ihr zu beschreiben. Nachdem sie gestorben war, räumte meine Mutter ihr Haus auf. Sie fand eine Reihe von Dingen, unter anderem einen Brief, den mein Großvater vor viele Jahre geschrieben hatte. Er war zu diesem Zeitpunkt bereits seit fast 10 Jahren tot. Als meine Mutter ihn öffnete, erkannte sie, dass es sich um seine Memoiren handelte. Er hatte den Brief geschrieben, als er an Alzheimer erkrankte. Sein Geschriebenes war ein Labyrinth, das Schleifen drehte, sich wiederholte und nicht immer verlässlich war, aber manchmal war es eine kristallklare Erzählung seiner Lebensgeschichte, die unglaublich bemerkenswert war. Er war in China geboren worden, wurde im Zweiten Weltkrieg ein sogenannter „Fliegender Tiger“ bei der chinesischen Luftwaffe und zog dann nach Taiwan. Er hatte ein ganz außergewöhnliches Leben, das ihn in große, geschichtsträchtige Ereignisse verwickelte – Weltereignisse, Regierungsentscheidungen, in die Art von Dingen, über die man liest, wenn man Geschichte studiert. Es war faszinierend, denn es waren Dinge, die wir nicht gewusst hatten.

Es passierte das, was mit allen Schriftsteller*innen und ihren Familien passiert: mir wurde dieser Fund gegeben, um etwas damit zu machen. Das machen Menschen so. Meine Mutter gab mir den Brief, die Memoiren, und ich konnte ihn nicht lesen, weil er auf Chinesisch geschrieben war. Das war für mich einer der Momente, in denen mir klar wurde, dass ich leidenschaftlich und unbedingt etwas mit diesem Vermächtnis tun wollte, aber dafür erst einmal viel lernen musste, damit es überhaupt möglich wurde. Ich hatte viele Jahre lang versucht, die Geschichte meiner Großeltern – oder das, was ich darüber wusste – aufzuschreiben, aber damals war es noch nicht viel. Mit Anfang 20 versuchte ich, einen Roman darüber zu schreiben. Aber das ist mir nicht gelungen. Ich bin nicht sehr gut in Belletristik; ich bin nicht gut darin, mir Dinge auszudenken. Also packte ich die Idee in die metaphorische Schublade meiner Festplatte und rührte sie jahrelang nicht mehr an. Als die Memoiren meines Großvaters in mein Leben kamen, dachte ich: Ich muss etwas damit machen, aber ich muss es in einer Sprache tun, die ich spreche. Das ist für mich Landschaft. Das war der Schlüssel für das Projekt.

„Taiwan ist immer noch ein kolonisierter Ort“

Ich fand den historischen Kontext, den du in dem Buch wiedergibst, faszinierend. Es erscheinen verschiedene kolonisierende Kräfte, die versucht haben, Taiwan zu kolonisieren. Diese Versuche bringen Diskurse über die „Zivilisierung“ eines „Außenpostens“ mit sich. Könntest du uns etwas mehr über die verschiedenen kolonialen Bestrebungen erzählen, in die Taiwan historisch verwickelt war – seien sie europäisch, japanisch oder chinesisch?

Was ich immer zuerst sage, ist, dass Taiwan immer noch ein kolonisierter Ort ist. Das ist wirklich wichtig. Menschen aus der Generation meiner Großeltern kamen, als Taiwan 1945 an die chinesische Regierung zurückgegeben wurde – der offizielle Name Taiwans ist immer noch Republik China, und das ist unglaublich umstritten. Ich schreibe darüber in dem Buch: Die Generation meiner Großeltern war eine kolonisierende Generation in Taiwan.

Insbesondere in den 1600er Jahren war Taiwan einer jener Orte, die für viele Kolonialforscher ein Problem darstellten, da die Hälfte der Insel sehr unzugänglich war. Die Westküste der Insel wurde zur kolonisierten Seite der Insel; der Rest war gebirgig und voller Klippen, und es war fast unmöglich, dorthin vorzudringen. Aber auf Grund ihrer Beschaffenheit und Geographie, war Taiwan eine sehr begehrte Insel. Viele Schlachten wurden geschlagen, um Taiwan zu erobern. Es gibt eine fantastische Historikerin, Emma J. Teng, die sich speziell mit dieser Periode Taiwans in der visuellen Kultur beschäftigt. Sie betrachtet Karten und Bilder und Dokumente wie koloniale Reiseberichte jener Zeit. Ihre Forschung hilft, zu verstehen, dass es nicht nur westeuropäische Länder sind, die das entfernte orientalisierte „Andere“ kolonisierten. Sondern vielmehr, dass es innerhalb Asiens koloniale Ebenen gab. Innerhalb dieser Region findet Kolonialismus statt. Tengs Arbeit half mir, Japans und auch Chinas imperiale Bestrebungen zu durchschauen. Um Taiwans Geschichte und zeitgenössische Politik zu verstehen, ist es notwendig die Verbindungen zu den Ereignissen von vor Hunderten von Jahren zu erkennen. Taiwan ist einer jener Orte, wo der Kolonialismus noch so sichtbar ist, sobald man beginnt an der Oberfläche zu kratzen. Eine Dekolonisierung hat dort noch nicht stattgefunden.

Im Laufe des Buches kommst du immer wieder auf verschiedene Aspekte des Kolonialismus zurück. Du erwähnst zum Beispiel den Zusammenhang zwischen kolonialen Bestrebungen und der Klassifizierung von Pflanzen. Du schreibst: „ausländische Botanik wurde durch lokales Wissen und lokale Arbeitskraft ermöglicht“. Könntest du auf diesen besonderen Aspekt kolonialer Praktiken noch etwas näher eingehen?

Das ist mir durch meine Sprachlücken richtig klargeworden. Die Geschichte Taiwans war für mich unzugänglich, abgesehen von dem, was auf Englisch zur Verfügung stand. Als ich mehr über Botanik in Taiwan lernen wollte, gab es kaum Quellen auf Englisch. Die Texte, denen ich mich schließlich zuwandte, weil ich sie fließend lesen konnte, waren koloniale Reiseberichte. Für diese Texte entwickelte ich sofort eine Faszination, die Hass und Interesse zugleich beinhaltete, im Sinne von: „Ich will mehr wissen“ und auch: „das ist wirklich rassistisch, so etwas zu sagen“. Das war die Dynamik, die sich während meiner Recherchen einstellte. In diesen Texten wird deutlich – einige von ihnen hatten Fotos und es gibt sehr detaillierte Berichte darüber – dass der Zugang zu den Bergen in Taiwan und eine Einführung in die Pflanzenwelt von Einheimischen ermöglicht wurde. Aber niemand der Ortsansässigen wurde an der offiziellen Namensgebung beteiligt. Sie hatten natürlich ihre eigenen Namen für die Pflanzen, aber in der offiziellen Taxonomie, die heute verwendet wird, um über diese Pflanzen zu sprechen, sind sie nach Ausländern benannt. Das schlimmste Beispiel ist Morrison. Yu Shan, der höchste Berg Taiwans, hieß früher Mount Morrison. Es gibt zwei verschiedene Quellen dafür, auf wen dieser Name zurückführt. Eine besagt, dass es sich um einen Marinesegler handelte, und die andere, dass es ein Handelsmatrose oder Missionar war. Es ist einer dieser beiden Morrisons, nach dem der Berg benannt wurde, doch keiner von beiden hat jemals einen Fuß auf taiwanesischen Boden gesetzt. Viele der Pflanzen, die in der Region des Berges wachsen, tragen den Namen Morrisonica oder Morrison-irgendwas. Wenn man wirklich darüber nachdenkt, ist es eine richtig wilde Geschichte: es ist eine derartige Macht die diese Namensgebung aus der Zeit der kolonialen Botanik und Pflanzenforschung ausdrückt.

„Wir haben schon immer existiert“

Abgesehen davon, dass du Schriftstellerin bist, bist du auch noch die Gründungsherausgeberin der Literaturzeitschrift The Willowherb Review. Auf der Website heißt es, dass die Willowherb Review eine digitale Plattform bietet, um die Arbeit von aufstrebenden und etablierten Schriftsteller*innen of Color im Bereich des nature writing zu feiern und zu unterstützen. Warum ist es wichtig, die Sichtbarkeit von People of Color in diesem Genre zu vergrößern?

Wie du gerade gesagt hast, geht es um mehr Sichtbarkeit. In den Jahren, bevor ich die Willowherb Review gründete, hatte ich endlose Zeitungsartikel und Twitter-Beschwerden von Leuten gelesen, die sagten, dass es keine Autor*innen of Color gäbe, die über die Natur schreiben, oder dass sie sie nicht finden könnten. Mit der Willowherb Review verdeutliche ich, dass es diese Schriftsteller*innen tatsächlich gibt. Wir haben schon immer existiert. Vielleicht wurden wir nicht gehört. Aber das ist nicht unsere Schuld. Deshalb wollte ich einen Raum schaffen, der es Schriftsteller*innen ermöglicht, zu sagen: „Okay, ich werde hier etwas veröffentlichen und diejenigen, die danach suchen, werden es finden“. Das war wirklich wichtig für mich, denn ich hatte es einfach satt, ständig Erklärungen zu finden. Man kommt an einen Punkt, an dem man es leid ist, Listen für Leute zu erstellen, welche antirassistischen Bücher sie lesen könnten. Die Willowherb Review ist eine Möglichkeit, diese Community und dieses Wissen für die Menschen festzuhalten. Jetzt kann niemand mehr sagen: „Es gibt sie nicht“. Niemand kann sagen, dass wir es nicht versuchen. Das war wirklich wichtig für mich.

Diese Schriftsteller*innen gibt es, und wenn Leute sie nicht lesen, ist das jetzt wirklich ihre eigene Schuld.

Die Videoaufnahme der Veranstaltung gibt es auf dem Youtube Kanal vom Bündnis Neukölln, denn sie war Teil des diesjährigen digitalen Festival Offenes Neukölln. Unser nächstes Green Library Event findet am 8. Juli 2020 statt. Die gesamte Green Library Veranstaltungsreihe wird vom Berliner Senat finanziell unterstützt.