Jahreszeiten

Buchcover von Fiona Williams Roman Jahreszeiten

Jahreszeiten

Ohne Spoiler über Fiona Williams herzzerreißenden Roman Jahreszeiten (übersetzt von Maria Hummitzsch) zu schreiben, ist gar nicht so einfach. Aber ich werde es versuchen, damit ihr alle diese Geschichte über die Risse im Leben der Hembrys, einer mixed-race Familie im ländlichen Somerset, noch lesen könnt. Die vierköpfige Familie ist in einer schwierigen Situation und es scheint, als würde sie daran zerbrechen. Aber vielleicht gibt es doch noch die Möglichkeit, dass sie irgendwie wieder zueinander finden?

Tessa, die Mutter, ist gebürtige Londonerin und die einzige Schwarze Person im Dorf. In dem Jahr, in dem die Geschichte spielt, vermisst sie London ganz besonders und die ständigen Mikroaggressionen und ihre Einsamkeit auf dem Land sind nur schwer zu ertragen. Ein paar Mal flüchtet sie zu ihrer Familie nach London und überlegt ernsthaft, ob sie nicht wieder dorthin ziehen sollte. Zu Hause im Dorf verbringt sie ihre Tage – und oft auch große Teile ihrer Nächte – damit, karibisches Essen zu kochen und zu backen.

Richard, der Vater, ist in dem Dorf aufgewachsen, die Menschen und das feuchte Wetter sind ihm vertraut. Er stürzt sich in die Arbeit, um Tess aus dem Weg zu gehen und sein schlecht laufendes Geschäft zu retten: Er baut Gemüse an und liefert es Kund*innen nach Hause. Die finanziellen Schwierigkeiten behält er für sich, greift immer früher zu einem Bier oder stoppt bei einer Auslieferung im Pub.

Beim Lesen dachte ich oft, jetzt redet doch einfach miteinander. Ihren Kindern scheint es genauso zu gehen, sie wünschen sich, dass ihr Familienleben wieder leichter und weniger von Schweigen oder Weinen bestimmt wird. Max und Sonny, die Zwillinge sind unzertrennlich, auch wenn die Menschen um sie herum nicht müde werden anzuzweifeln, ob sie überhaupt Geschwister sind – sie sehen sich nicht sehr ähnlich, Max kommt noch seinem weißen Vater und Sonny nach Tess.  

Die Jahreszeiten schreiten voran und als Leser*innen tauchen wir tief in die Gedankenwelt der vier Protagonist*innen ein, in ihre Sorgen, ihr Leid und ihre Vorlieben, während sich die Welt um sie herum langsam wandelt. Williams beschreibt die Jahreszeiten genau. Nach dem eisigen Winter und einem feuchten Frühling wird es langsam wärmer und mit den Sonnenstrahlen tauchen vielleicht auch ein Hoffnungsschimmer und ein bisschen Trost auf. Der Roman scheint zu sagen, dass einige Dinge im Leben Zeit brauchen.

Bestell das Buch und unterstütze uns damit! Wenn du Interesse an dem Buch hast, kannst du es von hier aus bestellen. Wir bekommen dann eine Provision, aber für dich ändert sich der Preis nicht.

Werde Steady-Mitglied von poco.lit.

So unterstützt du unsere Arbeit im Abo monatlich oder jährlich.