Kekeli

Buchcover von Jessica Mawuena Lawson s Roman Kekeli, 2026 im Verbrecher Verlag erschienen

Kekeli

Jessica Mawuena Lawsons Debütroman Kekeli spielt zu dieser magischen Zeit zwischen den Abiturprüfungen und dem, was danach kommt. Es sind ein paar Wochen, in denen junge Erwachsene oftmals plötzlich viel Zeit haben. Die Protagonistin, die dem Buchtitel entsprechend Kekeli heißt, nutzt diese Gelegenheit, um Neues auszuprobieren und verliebt sich dabei. Der Roman zeichnet sich durch Kekelis Identitätssuche, ihre Liebenswürdigkeit und Neugierde aus.

Kekeli lebt mit ihrer weißen deutschen Mutter und ihrem aus Togo eingewanderten Vater in einer Kleinstadt in Süddeutschland. Kekeli hat die letzten Tage auf dem Gymnasium hinter sich gebracht und wird von ihrem Vater und ihrer Tante beauftragt, sich um ihre Cousine Afi aus Togo zu kümmern, die für eine Weile zu Besuch in Deutschland ist. Die Begegnung mit Afi macht ihr einige Dinge über sich selbst schmerzlich bewusst: sie weiß wenig über ihre Verwandten in Togo, kennt viele von ihnen gar nicht – ihre Eltern konnten sich eine gemeinsame Reise dorthin bisher nicht leisten –, sie spricht kein Ewe und sie kann Akoumé nicht mit den Fingern essen. Sie fühlt sich von Afi verunsichert und kann sie nur schwer einschätzen, was Afi auch für Leser*innen zu einer undurchschaubaren Figur macht, da die Geschichte aus Kekelis Perspektive erzählt wird. Trotzdem verbringen die beiden viel Zeit miteinander und erleben ein unerwartetes Abenteuer.

Kekeli und Afi werden von Kekelis Mitschüler Kwame und seinem älteren Bruder Kofi – den deutlich wohlhabenderen Söhnen eines ghanaischen Diplomaten – eingeladen, einen Roadtrip durch Deutschland zu machen, um Interviews für einen Dokumentarfilm über Schwarze Geschichte und Gegenwart in Deutschland zu führen. Diese einwöchige Reise, auf deren Höhepunkt die Gruppe einige Tage in Berlin verbringt, nimmt den größten Teil des Buches ein. Die üppige Förderung, die Spontanität des Vorhabens und das geringe Vorwissen, das vor allem Kekeli und Afi mitbringen, wirken etwas unrealistisch, klingen aber nach Spaß und wünschenswerten Umständen – und in einem Roman ist schließlich alles möglich. Die jungen Erwachsenen lernen viel dazu und, wenn sie ihr neugewonnenes Wissen für den Dokumentarfilm referieren oder miteinander teilen, klingen einige Passagen etwas lehrbuchhaft. Doch das tut dem Buch insgesamt keinen Abbruch. Im Fokus steht Kekelis Introspektive, inklusive ihrer wachsenden Gefühle für den netten, aufmerksamen Kwame. Kleine Missverständnisse und Kekelis Entdeckung eines Familiengeheimnisses halten den Spannungsbogen bis zuletzt aufrecht.  

Mir hat Jessica Mawuena Lawsons warmherziges, stellenweise süßes Debüt gut gefallen. Ich würde Kekeli besonders jüngeren Erwachsenen empfehlen, die kurz vor dem Abitur stehen, damit sie sich für ihre Zukunft inspirieren lassen können, oder denjenigen, die sich gerne an diese aufregende Zeit der vermeintlich unendlichen Möglichkeiten erinnern.

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