Gold Diggers

book cover of gold iggers by sanjena sathian

Gold Diggers

Kostbare Ambitionen

Als überzeugte Verfechterin von Büchern, die die Vielfalt südasiatischer Stimmen und Erfahrungen widerspiegeln, finde ich es großartig, dass Gold Diggers von Sanjena Sathian eine Geschichte über die echten Herausforderungen des Lebens ist und von historischen Hintergründen, alter Magie und Spiritualität sowie einem nervenaufreibenden Raubüberfall begleitet wird. Ich würde nicht sagen, dass damit die gesamte Erfahrung der südasiatischen Diaspora zusammengefasst ist, aber diese Dinge gehören definitiv dazu. (Wer sich jetzt fragt, warum Dieberei dazugehört: Von klein auf müssen wir die Fähigkeit entwickeln, kurze Hosen und Tank-Tops aus dem Haus zu schmuggeln und Zugang zu Filmen zu bekommen, die strengstens verboten sind.) Sathians Roman fragt, was es für Kinder der ersten Generation bedeutet, indisch und amerikanisch zugleich zu sein.

Neil Narayan steht unter enormem Druck, die Ambitionen seiner Einwanderereltern, die in der Datenanalyse und Pharmazie arbeiten, zu erfüllen. Das Gleiche gilt für alle seine indischen Altersgenoss*innen in ihrer abgeschotteten indischen Community im überwiegend weißen Vorort Hammond Creek in Georgia. Neil selbst geht es eher darum, die Aufmerksamkeit seines langjährigen Schwarms, der Harvard-Studentin Anita Dayal, zu gewinnen. Eines Tages entdeckt Neil das Erfolgsgeheimnis von Anita und ihrer Mutter Anjali. Sie brauen einen alchemistischen Trank, eine uralte Mixtur aus gestohlenem Gold. Das Gold, das mit den Ambitionen der eigentlichen Besitzer*innen getränkt ist, überträgt seine Kräfte auf die Person, die es trinkt. Natürlich bittet Neil darum, in die Pläne der beiden Frauen einbezogen zu werden, und ist zum ersten Mal Klassenbester und sogar seine Eltern loben ihn. Aber die Ambitionen anderer zu stehlen, hat Konsequenzen. Neil ist überzeugt, dass er ohne das Getränk – sie nennen es „Limonade” – nichts ist, und seine Verzweiflung führt zu einer Tragödie, die die gesamte indische Community erschüttert. Jahre später, nachdem er an die Westküste gezogen ist, „trödelt“ Neil, wie er selbst sagt, „als Geschichtsstudent herum“ und betäubt sein Trauma mit Drogen und Alkohol. Unerwartet meldet sich Anita wieder bei ihm. Anjali steckt in Schwierigkeiten, und das Einzige, was sie retten kann, ist Gold. Aber um daran zu kommen, müssen sie den ultimativen Goldraub bei einem der bedeutendsten indischen Events durchführen.

Wie dem Erzähler der Geschichte gefielen mir Neils trockener Humor und seine manchmal zynische Denkweise (in beiden Bedeutungen des Wortes). Auch wenn er fehlerhaft und willensschwach ist, sprach mich seine vermeintliche Mittelmäßigkeit an. Ich konnte mich mit seiner Highschool-Erfahrung identifizieren: er kann sich nur positiv hervortun, indem er nicht die schlechtesten Noten der Klasse bekommt. Neil ist jedoch kein talentloser Trottel. In der Highschool entdeckt er seine tiefe Liebe zur Geschichte und zum Geschichtenerzählen, aber anstatt in der akademischen Welt aufzusteigen, vernachlässigt er seine Abschlussarbeit, um obsessiv einer obskuren Figur namens Isaac Snider nachzuspüren. Neil glaubt, Snider sei ein indischer Einwanderer gewesen, der während des Goldrauschs nach Kalifornien kam.

Neil hat Schwierigkeiten seinen Platz in der Welt zu finden und das spiegelt sich in seiner Fixierung auf Snider wider: Snider entwickelte sich zu einer würdigen Person. Er hat vielleicht schon vor langer Zeit eine Antwort auf die Frage gefunden, mit der auch Neil ständig ringt: Was bedeutet es, sowohl indisch als auch amerikanisch zu sein?

Wenn es darum geht, geschichtliche Zusammenhänge neu zu schreiben, ist Anjali eine großartige Figur. Als einzige Tochter von drei Kindern erhielt sie nicht die gleichen Bildungschancen wie ihre Brüder, ihr war es von Geburt an vorbestimmt, Ehefrau und Mutter zu werden. Aber Anjali nimmt mit den einzigen Mitteln, die ihr zur Verfügung stehen, Einfluss auf ihr Schicksal: dem alchemistischen Wissen, das früher dazu diente, die Männer in ihrer Familie voranzubringen.

Auseinandersetzungen mit der eigenen Identität beschränken sich nicht auf bestimmte Kulturen, so dass ein Interesse an der indischen Community keine Voraussetzung dafür ist, Freude an Gold Diggers zu haben. Die magischen und historischen Elemente sind so mühelos in die Erzählung eingewoben, dass sich Lesende bei Neils und Anitas versuchtem Goldraub leicht in den Seiten verlieren, mitfiebern und sich fast etwas klaustrophobisch fühlen können. Dieses Buch setzt sich auf interessante Weise damit auseinander, wie der Mythos der „Vorzeigeminderdheit“ zerstört werden kann, und folgt der Frage, was das „Richtige“ ist, um sich selbst zu finden, nur um dann mal wieder in einer Sackgasse zu landen. Irgendwie versuchen alle, ihren Platz in der Welt zu finden. Gold Diggers ist für diejenigen, die sich schon einmal gefragt haben, wie sich Ehrgeiz anfühlt, die geschichtsvernarrt sind oder einfach nur Erinnerungen an ihre Schulzeit wachrufen möchten.

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