Als wir Vögel waren
In meiner lokalen Buchhandlung bin ich schon einige Monate immer wieder um das gleiche Buch herumgeschlichen. Neben dem wunderschönen Cover machten mich einige der Schlagwörter auf der Buchrückseite von Ayanna Lloyd Banwos Debütroman neugierig: Trinidad, Rastafari, Friedhof, Totengräber, magische Liebesgeschichte, Familienlegende.
Die Geschichte von „Als wir Vögel waren“ spielt in der fiktiven Stadt Port Angeles in Trinidad und sie wechselt zwischen den Perspektiven der zwei Hauptfiguren Yejide und Darwin hin und her. Darwin hat seinen leiblichen Vater nie kennengelernt. Er glaubt, ihn in Port Angeles zu finden, und nimmt dort kurzerhand einen Job als Totengräber auf dem Friedhof Fidelis an und das, obwohl ihm als Rastafari die Nähe zu Toten verboten ist. Merkwürdige Dinge geschehen auf diesem Friedhof, die Darwin sich nicht erklären kann. Yejide wächst in einem Dorf nicht unweit von Port Angeles auf. Den Frauen in ihrer Familie wird eine besondere Rolle zu teil: sie sorgen sich um die Toten und wachen über die Schwelle zwischen den zwei Welten. Nach dem Tod ihrer distanzierten Mutter soll Yejide diese Aufgabe übernehmen, doch in ihr wehrt sich alles dagegen.
Verlust ist das zentrale Thema des Romans, wir begleiten die Figuren im Umgang damit und dabei stellt die Geschichte interessante Fragen: Wie beeinflusst das persönliche Schicksal die Beziehungen zu den eigenen Kindern? Was löst die fehlende Präsenz eines Elternteils aus?
Ich habe Banwos Debütroman sehr gerne gelesen: Ich war interessiert daran, wie sich die Geschichten der beiden Protagonist*innen miteinander verweben und empfand vor allem den Einblick in die Rastafari-Kultur bereichernd.
„Als wir Vögel waren“ erschien 2022 bei Penguin Books und in deutscher Übersetzung durch Michaela Grabinger 2023 bei Diogenes. Das Buch wurde aus dem trinidad-kreolischen Englisch übersetzt, es finden sich aber leider keine Marker eines Dialektes in der Übersetzung. Mir ist bewusst wie schwierig es ist, kreolische Dialekte in eine andere Sprache zu übersetzen, da im Grunde ein Dialekt erfunden werden muss. Ich habe aber schon Übersetzungen gelesen, die kreative und interessante Lösungen dafür gefunden haben. Sprachinteressierten Lesenden würde ich daher empfehlen, wenn möglich, das englische Original zu lesen.