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macht.sprache. hinter den Kulissen – Verhaltenskodex, Übersetzungen bewerten und mitmachen

Anfang März haben wir bereits einen Blick hinter die Kulissen unseres Projekts macht.sprache. gewährt. Kuratiert wird es von uns, den Redakteur*innen von poco.lit., und umgesetzt von Timur Celikel und Kolja Lange. Wir haben unsere Überlegungen zu Design und Barrierefreiheit, Nutzer:innenprofilen und Datenschutz sowie zum Umgang mit sensiblen Begriffen vorgestellt. Im Folgenden geht es weiter mit den Gedanken, die in die Erstellung eines Verhaltenskodex für die Diskussionsplattform eingeflossen sind und in das Bewertungssystem für Übersetzungsbeispiele. Außerdem teilen wir unsere Ideen, wie wir Menschen zum Mitmachen motivieren möchten.

macht.sprache. wird in drei Phasen umgesetzt. Den Auftakt machen wir im April mit dem gemeinsamen Sammeln und Diskutieren von politisch sensiblen Begriffen und Übersetzungsbeispielen. Im Mai und Juni fahren wir fort mit öffentlichen Veranstaltungen mit Expert:innen, um weitere Erkenntnisse zu gewinnen. Ihr seid sehr herzlich eingeladen, euch an diesen beiden Phasen zu beteiligen: Ihr könnt mitdiskutieren, Begriffe und Übersetzungsbeispiele aus Büchern, Zeitungen, Filmen, Theateruntertiteln usw. beisteuern und an den öffentlichen Veranstaltungen teilnehmen. Die Phasen eins und zwei zielen darauf ab, kollaborativ Wissen zu produzieren. Dieser Ansatz ist uns wichtig, da eine Vielzahl von Stimmen, die aus verschiedenen Positionen heraus sprechen, entscheidend für ein sensibles Verständnis dafür ist, wie Sprache und Diskriminierung Menschen unterschiedlich betreffen. Unsere kollektiven Bemühungen werden in die letzte Phase einfließen, in der ein Übersetzungs-Tool entstehen wird, vom Projektteam konzeptionell kuratiert und technisch umgesetzt. Dieses Tool wird als frei zugängliche Ressource dienen, um sensible Terminologie besser zu übersetzen.

Verhaltenskodex

Wer sich auf macht.sprache. als Nutzer:in regestriert hat, kann sich an der Diskussion beteiligen. Die Plattform möchte ein Raum für konstruktiven Austausch sein, der auf gegenseitigem Respekt beruht. Verletzende und diskriminierende Kommentare werden nicht geduldet – aber wir wissen, dass wir nie einen völlig sicheren Raum schaffen können. Diskussionen über politisch sensible Themen wie diskriminierende und/oder inklusive Sprache werden schnell emotional oder gar hitzig und möglicherweise verletzend. Um den respektvollen Umgang zu stärken, haben wir daher einige Grundsätze für die Kommunikation erarbeitet, denen die Nutzer:innen mit ihrer Registrierung zustimmen. Da wir die Entwicklung des Übersetzungstools als kollaborativen Prozess sehen, werden wir uns an der Diskussion auf der Plattform beteiligen und sie im Laufe der Nutzung auf Basis eurer Kommentare, der am häufigsten auftauchenden Themen und der Art und Weise, wie miteinander umgegangen wird, weiterentwickeln.

Für den Start der ersten Phase haben wir einen Verhaltenskodex zusammengestellt, in dessen Mittelpunkt drei Prinzipien stehen: gegenseitiger Respekt, konstruktive Zusammenarbeit und Selbstpositionierung. Gegenseitiger Respekt bedeutet nicht, dass alle immer mit allem einverstanden sein müssen, aber es bedeutet, dass Meinungsverschiedenheiten mit Sensibilität und Rücksichtnahme geäußert werden sollten.

Indem wir konstruktive Kollaboration anstreben, hoffen wir, eine offene und produktive Diskussionskultur zu fördern, die nicht auf öffentliche Beschämung oder vermeintliche Expertise setzt. Es geht darum, gemeinsam mehr Verständnis für die Thematik zu entwickeln. Und wenn wir die Selbstpositionierung hervorheben, tun wir dies in der Hoffnung, Nutzer:innen zu ermutigen, die Position, aus der sie sprechen, zu überdenken und sich zu fragen, wie diese ihre Ansichten zu verschiedenen Themen beeinflussen könnte. Diese Reflexion und ihre Sichtbarmachung könnte anderen helfen Argumente und ihre Beweggründe besser nachzuvollziehen.

Wir sind uns der Gefahren, die von Trollen ausgeht, bewusst, wollen aber auch in dem guten Glauben handeln, dass es da draußen eine Community gibt, die sich aufrichtig und konstruktiv an diesen Diskussionen beteiligen will. Gleichzeitig wollen wir Nutzer:innen so gut wie möglich schützen. Daher werden wir Kommentare auf macht.sprache. moderieren oder löschen, wenn wir sie für schädlich halten. Wir behalten uns das Recht vor, Nutzer:innenkonten nach einer Verwarnung zu sperren. Zudem werden Nutzer:innen die Möglichkeit haben, Kommentare zu melden.

Bewertung von Übersetzungen

Damit wir am Ende des Jahres in der Lage sein werden, das finale Übersetzungstool in Phase drei entwickeln zu können und damit Empfehlungen für das Übersetzen von sensiblen Begriffen auszusprechen, greifen wir auf das kollektive Wissen aller Mitwirkenden zurück. Die Diskussionen und eingetragenen Begriffe der ersten Phase werten wir für das finale Tool aus. Zusätzlich ist es sinnvoll, dass wir Nutzer:innen von Anfang an um Bewertungen von Übersetzungen bitten – wir möchten euch fragen: Welche Übersetzungen findet ihr gut und welche nicht. 

Bei der Erstellung der Plattform für die erste Phase hatten wir intern bezüglich der Bewertung einiges an Diskussion. Zunächst haben wir uns angeschaut, auf welchen anderen Online-Plattformen es Bewertungen gibt und wie diese aussehen. Youtube bietet die Optionen Daumen hoch für gut und Daumen runter für schlecht an, was uns für unsere Zwecke etwas zu simpel vorkam. Viele Online-Shops laden ein, Produkten 1-5 Sternchen zu verleihen, um ihre Qualität zu bewerten, was schon etwas mehr Nuancen zulässt. Zeitungen bieten oft digitale Meinungsumfragen eine gleitende Skala an, auf der eine Nadel frei zwischen gut oder schlecht hin und her geschoben werden kann. Ein Bewertungssystem in dieser Form schien uns am passendsten.

In unseren Diskussionen stellten wir zudem fest, dass wir eigentlich gar nicht bestimmte Wörter als “gut” oder “schlecht” einordnen wollen. Vielmehr geht es darum, wie passend sie sind – und ob die abstimmende Person dieses Wort unter bestimmten Umständen für eine gute Übersetzung hält. Beim Übersetzen spielt Kontext immer eine Rolle – geographischer, historischer, politischer und sozialer Kontext. Deswegen sind wir letztendlich zu dem Schluss gekommen, die Bewertung in eine Frage mit Ich-Botschaft zu verpacken und Nutzer:innen die Möglichkeit zu geben, ihre Einordnung mit einem Kommentar zu erklären.

Die nächste Frage ist die Darstellung der Ergebnisse. Die naheliegendste Lösung ist hier der Durchschnitt oder Median. Dabei könnte allerdings verloren gehen, wenn einige Begriffe sehr polarisieren: Ein Begriff mit fünf Bewertungen “1” und fünf Bewertungen “5” hat hat einen Durchschnitt von “2,5”. Ein Begriff, bei welchem viele Bewertungen “2” und “3” sind jedoch auch. So verschleiert ein Durchschnitt diese Unterschiede. Deswegen haben wir uns für ein Balkendiagram entschieden:

Mitmachen

Die kollaborative Wissensproduktion, die der Schlüssel zu macht.sprache. ist, bedeutet, dass wir sehr an eurem Mitwirken interessiert sind. Bei einem Testlauf stellten wir ein anfängliches Zögern fest, sich an der Diskussion zu beteiligen. Oft schien dies an der Sorge von Nutzer:innen zu liegen, möglicherweise nicht genug Fachwissen zu haben, um ihre Meinung zu teilen. Gerade weil ein Teil unserer Intention mit macht.sprache. ist, eine Diskussionskultur über politisch sensible Sprache zu fördern, die nicht auf elitäre Räume beschränkt ist, versuchen wir, Wege zu finden, die Menschen zu ermutigen, dies als ein Projekt zu betrachten, an dem sie sich mit jedem Wissensstand beteiligen können.

Wir planen, über unsere Social-Media-Präsenz aktiv Menschen einzubinden und regelmäßig ausgewählte Inhalte von und über macht.sprache. zu teilen. Wir denken über Buchverlosungen nach, um die Teilnahme zu honorieren und entwickeln einen Newsletter, der über die neusten Entwicklungen informiert. Wenn ihr weitere Ideen habt, was euch zum Mitmachen motivieren würde, meldet euch bitte gerne über Social Media oder per E-Mail bei uns – wir freuen uns auf eure Ideen.

Wir launchen macht.sprache. am 14. April, ihr seid herzlich zu dem Event eingeladen!

macht.sprache. wird vom Berliner Senat gefördert.