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In the end, it was all about love.

Musa Okwongas Buch In the end, it was all about love (etwa: Am Ende ging es immer um die Liebe), das bisher noch nicht auf Deutsch übersetzt wurde, ist eine mitreißende Reise in drei Teilen. Der erste Teil, „Righteous Migrants“ („Rechtschaffende Migrant:innen“), führt die Leser:innen in die Liebesbeziehung des Erzählers zu Berlin ein – angespannt, stürmisch und durch und durch von Zuneigung geprägt. Der zweite Teil „Black Gravity“ („Schwarze Schwerkraft“) taucht tiefer in sein Innenleben ein, in seine Ängste, Selbstzweifel und Sehnsüchte – und stellt den charmanten und mysteriösen Dr. Oppong vor. Im dritten Teil, „Your Passport“ („Dein Reisepass“), begleiten die Leser:innen den Erzähler nach Uganda, auf eine Reise in das Heimatdorf seines Vaters im äußersten Norden des Landes.

Thematisch ist das Buch von mehreren wiederkehrenden Motiven durchdrungen. Es gibt dieses konstante Hin und Her, die Liebe für die Wahlheimatstadt des Erzählers, Berlin, in der es ihm an Liebe fehlt. Erinnerungen an den Vater werden immer zentraler, je mehr der Erzähler darüber nachdenkt, was es bedeutet, älter zu werden, als sein Vater geworden ist. Es geht um die Einsamkeit eines Mannes, der sich Sorgen macht, nie jemanden zu finden, mit dem er sein Leben teilen kann, und die wachsende Hoffnungslosigkeit nach zu vielen gescheiterten Versuchen. Die Zweifel des Erzählers beziehen sich auch darauf, dass die Wahl Künstler zu sein, ihm nie die finanzielle Sicherheit geben wird, nach der er sich sehnt, auch wenn er sich aus moralischen Gründen weigert, Entscheidungen zu treffen, um diese Sicherheit zu erreichen. Doch bei all den Sorgen gibt es auch einen einladenden Sinn für Humor und das Gefühl, dass gute Freund:innen und ein leckeres Stück Kuchen alles zum Guten wenden können.

Es gibt einige stilistische Entscheidungen, die Okwongas Buch als etwas Besonderes kennzeichnen. Bei In the end, it was all about love handelt es sich nicht um einen Roman, obwohl die Entwicklung eines einzelnen Charakters verfolgt wird, der sich selbst mit einigen persönlichen Themen konfrontiert, um mit ihnen abschließen zu können. Die episodische Struktur ahmt die Art der kurzen Begegnungen nach, die für das Leben des Erzählers in Berlin so charakteristisch zu sein scheint. Leser:innen erhalten Ausschnitte aus der Erlebniswelt des Erzählers, die manchmal aufeinander aufbauen und sich aufeinander beziehen, die aber nie in eine lineare Erzählung hineingezwängt werden. Diese Form sorgt zunächst für ein abgehacktes Leseerlebnis. Manchmal habe ich mich nach etwas mehr Verbindungen zwischen den Episoden gesehnt; doch es scheint so, als sei es genau das, wonach sich der Erzähler selbst sehnt – denn jede Episode in dem Buch wirkt wie eine ebenso einsame Insel wie er.

Eine weitere bemerkenswerte Entscheidung ist die Verwendung der zweiten Person: Die Geschichte wird in der „Du“-Perspektive erzählt. Auf diese Weise sind alle Ereignisse „deine“; sie sind an dich als Leser:in gerichtet und werden so erzählt, als wären sie dir passiert. Das erste Mal begegnete mir diese Technik in Italo Calvinos Wenn ein Reisender in einer Winternacht. Bei Calvino fühlte ich mich von der Arroganz dieses Ansatzes erschlagen, da er sich anmaßt, seine Leser:innen (eher Leser) zu kennen. Aber in Okwongas Buch ist der Effekt ein ganz anderer. Obwohl das „Du“ des Erzählers offensichtlich eine andere Position einnimmt als ich – er ist ein Schwarzer, britischer, bisexueller Mann, der sich für Fußball interessiert -, fühlte ich mich durch die Verwendung des Pronomens in der zweiten Person eingeladen, die Welt durch seine Augen zu erleben, und zwar auf eine sehr intime Art und Weise. Manchmal – wie bei seiner Schilderung der Angst, die damit einhergeht, ein Schwarzer Mann im mehrheitlich weißen Deutschland zu sein – ist dies besonders herzzerreißend.

In the end, it was all about love ist ein schmales Bändchen und es liest sich fast wie von selbst. Rough Trade Books hat es in wunderschönen, farbenfrohen und individuell gestalteten Ausgaben veröffentlicht. Alle, die Berlin kennen, werden beim Lesen sicherlich feststellen, wie das Buch typische und gleichzeitig einzigartige Szenen aus dieser Stadt lebendig werden lässt – auch wenn sich gemütliches Biertrinken in einer Bar inzwischen sehr weit weg anfühlt. Lass dich vom Erzähler für eine Weile mitnehmen; du wirst es nicht bereuen.